Über die Sammlung

Die Kunstsammlung der Stiftung Familie Fehlmann in Winterthur ist gewissermassen ein Museum der Schweiz auf Papier. Sie setzt sich aus druckgraphischen Blättern, Zeichnungen und Büchern mit Originalgraphik zusammen. Dabei handelt es sich um Helvetica, also Stadtansichten, Landschaftsveduten, Trachtenbilder und Bauernhausdarstellungen, die im 18. und 19. Jahrhundert von den sogenannten Kleinmeistern als Erinnerungsstücke für Touristen gefertigt worden waren. In den damaligen Kunsthandlungen gingen sie „wie heisse Semmeln“ (Alexander Perrig) über den Ladentisch. Heute sind viele von ihnen auf dem Kunstmarkt jedoch kaum mehr zu finden. Umso wertvoller und schätzenswerter ist die Sammlung der Stiftung Familie Fehlmann. Sie stammt aus dem Nachlass von Dr. Heinz Fehlmann-Sommer (1919–2015), der sie von seinem Vater geerbt und gehegt hatte. In jahrelanger Beschäftigung hatte Dr. Heinrich Fehlmann (1880–1952) einen umfangreichen Bestand von 628 Druckgraphiken, 25 Zeichnungen und Büchern mit Originalgraphik zusammengetragen. Dieser ist in seiner Vielfalt faszinierend. Die unterschiedlichen Themen, Darstellungsarten und Funktionen der Helvetica – von der kleinformatigen Buchillustration bis zum grossen Einzelblatt als Wandschmuck – widerspiegeln sich darin eindrucksvoll. Als Kostbarkeiten hervorzuheben sind insbesondere handkolorierte Druckgraphiken von Johann Ulrich Schellenberg (1709–1795), Johann Ludwig Aberli (1723–1786) und Heinrich Rieter (1751–1818), die in ihrer ausgezeichneten Erhaltung von grosser Seltenheit sind. Eine überraschende Perspektive auf die Sammlung ergibt sich durch die Bücher mit Trachtenbildern anderer Nationen. Indem sie dem heutigen Betrachter eine Möglichkeit zum Vergleich bieten, bereichern sie dessen Sicht auf die Helvetica. Zugleich zeugen sie vom Interesse des Sammlers, seinen Bilderschatz in einem grösseren Zusammenhang zu verstehen.